Langnau
Das – noch – schöne Dorf im Emmental

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Verdichtetes Bauen und Ernährung

Der Selbstversorgungsgrad der Ernährung gibt an, wie viele Lebensmittel, die in einem Land konsumiert werden, von der einheimischen Landwirtschaft auch produziert werden können. Viele Länder wollen den Selbstversorgungsgrad erhöhen, um die Abhängigkeit vom Ausland zu reduzieren und so die Widerstandsfähigkeit in Krisensituationen zu stärken.

In der Schweiz liegt der Selbstversorgungsgrad knapp unter 50 %.

Gemäss einer Studie (1) des Forschungsinstituts für biologischen Landbau, der ETH Zürich sowie der Gesellschaft Ökologie und Landwirtschaft, finanziert durch den Nationalfonds der Schweizerischen Eidgenossenschaft, ist in der Schweiz für Nahrungsmittel ein Selbstversorgungsgrad von 100 % für fast 10 Millionen Menschen möglich.

In der Schweiz wohnen heute gut 9 Millionen Einwohner. Weiter leben 800‘000 Schweizerinnen und Schweizer im Ausland.

Die Studie zeigt auf, dass die Lebensmittelproduktion in der Schweiz für ihre Bevölkerung an ihre Grenzen stösst. Wenn die Schweiz ihre Selbstständigkeit bewahren will, darf aus ernährungspolitischen Gründen nicht weiterhin unkritisch verdichteter Wohnraum geschaffen werden.

(1) Artikel von Müller A., Augustiny A., Amacker R., Walter A., Keller B., Bosshard A., erschienen in Agrarforschung Schweiz, 16: 212-224 (2025)

https://doi.org/10.34776/afs16-212

Verdichtetes Bauen und Kinder

Die Geburtenrate in der Schweiz hat 2024 mit nur 1,29 Kindern pro Frau einen historischen Tiefstand erreicht, der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Dieser Einbruch ist auf den Wunsch nach weniger Kindern, veränderte Lebensstile und gemäss mehrerer Studien insbesondere auch auf steigende Wohnkosten zurückzuführen. Was aber bedeutet in diesem Zusammenhang “steigende Wohnkosten”?

Angehende Eltern kennen den Bewegungsdrang von Kindern und dass deren lautes Verhalten vielerorts auf Unverständnis stösst. Wenn sie keine geeignete Wohnung in Aussicht haben, verzichten sie auf Nachwuchs. Geeignete Wohnungen finden sich insbesondere in Einfamilienhäusern sowie in Mehrfamilienhäusern mit höchstens zwei bis drei Stockwerken und damit einer übersichtlichen Anzahl Parteien, bei denen geklärt werden kann, ob sie kinderfreundlich sind. Die Häuser sollten einen angemessenen Umschwung besitzen und sich idealerweise in einem Wohnquartier befinden, worin den Kindern eine hohe und gefahrenlose Bewegungsfreiheit gewährt wird. Mit dem verdichteten Bauen sowie überspannten Mietzinsen beziehungsweise Verkaufspreisen von kindergerechtem Wohnraum werden diese Bedingungen, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen, zunehmend unrealistischer.

In Zonen mit Planungspflicht werden die im Baugesetz vorgeschriebenen Mindestabstände von acht Metern zwischen zwei Häusern systematisch unterschritten, zum Teil bis auf drei Meter. Kindergerechten Wohnraum können sich vermehrt nur noch Familien mit einem überdurchschnittlichen Einkommen oder mit einem grossen Vermögen leisten.

Verdichtetes Bauen und Sommerhitze

Ältere Liegenschaften besitzen zumeist einen grösseren Umschwung. Daher werden sie abgerissen und durch neue riesige Hochbauten ersetzt. Diese werden nur noch von kleinsten Grünflächen umgeben. Darunter bestehen in der Regel ausgedehnte Tiefgaragen. In der geringen Erdschicht können im besten Fall Sträucher gepflanzt werden. Grössere Bäume, die ein weitläufiges Wurzelwerk ausbilden, wachsen in der wenigen Erde nicht, finden keine genügende Stabilität oder durchbrechen die Decken der Tiefgaragen, sodass letztere undicht werden. In verdichtet gebauten Wohnquartieren steigt im Sommer die Hitze infolge der ausgedehnten “Versiegelung des Bodens” mit riesigen Betonmassen auf kleinstem Raum und nur spärlichster Begrünung enorm: Auf den Strassen der neuen Überbauung beim Hauptbahnhof Zürich werden Temperaturen von bis zu 66 °C gemessen!

Vor dem Aldi in Langnau waren mehrere Bäume projektiert. Jetzt steht dort lediglich ein japanischer Schnürlibaum.

Verdichtetes Bauen und Sozialwohnungen

Mit dem verdichteten Bauen wird versprochen, dass das Angebot an bezahlbaren Wohnungen steigt. Wie die vergangenen 10 Jahre jedoch zeigen, ist schweizweit das Gegenteil der Fall. Ältere Liegenschaften mit günstigen Wohnungen werden abgerissen, insbesondere wenn sie einen grösseren Umschwung haben, und durch neue riesige Hochbauten ersetzt. Mit der dadurch massiv gesteigerten Nutzfläche auf gegebenem Bauland können Investoren sehr hohe Gewinne erzielen: Für neue Wohnungen, angepriesen mit hohem Einrichtungsstand, werden zumeist höchste Mieten und Kaufpreise verlangt.

Der Abriss älterer Häuser mit bezahlbaren Wohnungen wird durch die vom Volk am 28. September 2025 angenommene Miet-Initiative “Für faire und bezahlbare Mieten dank transparenter Vormieten” noch verstärkt: Eigentümer, welche den Ertrag ihrer älteren Mehrfamilienhäuser mit grösserem Umschwung steigern möchten, besitzen künftig einen Grund mehr, sich für den Abbruch ihrer Liegenschaften zu entscheiden und diese im Rahmen der Verdichtung durch Neubauten zu ersetzen: So können sie die Bekanntgabe der Vormieten leicht umgehen und die Wertschöpfung ihres Besitztums sogar noch erhöhen.

Sozialwohnungen sind leider in keiner Überbauung von Langnau vorgesehen: auch nicht im Areal Bahnhof Süd!

Wenn die Gemeinde Langnau beauftragt werden soll, sozialen Wohnungsbau zu fördern, muss dies mit einer Petition oder einer gesonderten Initiative geschehen.

Verdichtetes Bauen und Verkehr

Verdichtetes Bauen wird gefördert, damit trotz der Bevölkerungsexplosion in der Schweiz für die Schaffung neuen Wohnraumes kein Kulturland mehr geopfert werden soll. Dieses wird benötigt, die Ernährung der wachsenden Gesellschaft zu sichern. Dabei wird allerdings vergessen, dass die zunehmende Anzahl an Menschen nicht nur Wohnungen, sondern auch Verkehrswege benötigt. Letztere sind heute schon vielerorts überlastet: seien es Strassen oder Schienen. Nimmt die Bevölkerung zu, wird infolgedessen trotz verdichtetem Bauen weiteres Kulturland zumindest für den Ausbau von Strassen und Eisenbahnen benötigt. Diese neuen Verkehrswege können nicht nur auf die Mobilität der Menschen ausgerichtet sein. Sie müssen auch dem gesteigerten Transportvolumen von Nahrungsmitteln und anderen Konsumgütern genügen. Dass durch das verdichtete Bauen kein Kulturland mehr verloren geht, ist daher ein Trugschluss.

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